Messinstrumente

Hier finden Sie die Instrumente mit Literaturangaben die von der Arbeitsgruppe "Patientenbeteiligung" entwickelt, bzw. übersetzt wurden, sowie Übersichtsarbeiten zum Thema Messinstrumente in der Partizipativen Entscheidungsfindung. 

 

Übersichtsarbeit über die Messinstrumente für PEF 

Messung der Partizipativen Entscheidungsfindung – Übersicht über die Messinstrumente. (Measurement of shared decision making – a review of instruments)

Scholl I, Koelewijn-van Loon M, Sepucha K, Elwyn G, Légaré F, Härter M and Dirmaier J Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen Volume 105, Issue 4, 2011, Pages 313-324.

Zusammenfassung

In den letzten Jahren hat der Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF) in vielen Ländern zunehmend an Bedeutung gewonnen. Da es sich um ein relativ junges Forschungsgebiet handelt, werden beständig neue Messinstrumente zur Erfassung von PEF (Entscheidungsprozess, Ergebnis und damit einhergehende Konstrukte) entwickelt. Das Ziel dieser Studie war es, eine strukturierte Übersicht über neue Entwicklungen im Bereich der Messung von PEF zu erstellen, einen Überblick über bekannte Skalen zu geben und einen Ausblick auf neue Entwicklungen zu gewähren. Es wurde eine elektronische Literaturrecherche sowie eine Handsuche durchgeführt. Zudem wurden internationale Experten aus dem Forschungsbereich befragt. Gefunden wurden acht bekannte Instrumente, die weiteren psychometrischen Überprüfungen unterzogen wurden, sowie elf neue Skalen und neun unpublizierte Beiträge zu Messinstrumenten. Die Ergebnisse zeigen eine Entwicklung hin zu vermehrter „dyadischer Messung“ (Erfassung der Sichtweisen von Arzt und Patient) des PEF-Prozesses. Die internationale Relevanz von PEF wird an der vermehrten Entwicklung nicht-englischer Skalen erkennbar. Bei mehrheitlich guter Reliabilität unterscheiden sich die Instrumente hinsichtlich der Validierungsbemühungen. Zur psychometrischen Überprüfung der meisten Skalen bedarf es weiterer Studien. Zudem wird die Entwicklung eines theoretischen Rahmenkonzepts für PEF-Messungen gefordert, um die Messung der verschiedenen relevanten Konstrukte zu vereinheitlichen.

Key words: shared decision making; measurement; psychometrics; reliability; validity; review(As supplied by publisher)


Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung - Patientenversion (PEF-FB-9)

Der PEF-FB-9 wurde zur Anwendung in Forschung und klinischer Praxis entwickelt. Er kann ebenfalls zur Evaluation und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Der PEF-FB-9 sollte nur bei präferenzsensitiven Entscheidungen eingesetzt werden - also bei Erkrankungsbildern, bei denen es mehrere Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Der PEF-FB-9 wurde theoriegeleitet entwickelt und erhebt das Ausmaß, in dem Patienten am Prozess der Entscheidungsfindung beteiligt werden aus Sicht des Patienten. Die revidierte 9-Item-Fassung und eine Kurzbeschreibung incl. Gütekriterien und Auswertung- und Interpretationshinweisen finden Sie in dem Artikel PEF-FB-9 - Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung (revidierte 9-Item-Fassung) von Scholl I, Kriston L und Härter M.

Scholl, Isabelle / Kriston, Levente / Härter, Martin

Einen ausführlicheren, englischsprachigen Beitrag zum PEF-FB-9 (englisch: SDM-Q-9) finden Sie in dem Artikel   The 9-item Shared Decision Making Ques-tionnaire (SDM-Q-9). Development and psychometric properties in a primary care sample von Kriston L, Scholl I, Hölzel L, Simon D, Loh A und Härter M. Patient Education and Counseling. 2010 (80) 94-99.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an Isabelle Scholl.

 

Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung - Arztversion (PEF-FB-Doc)

Beim PEF-FB-Doc handelt es sich um eine adaptierte Version des PEF-FB-9, welcher das Ausmaß an Patientenbeteiligung in einer Arztkonsultation aus Sicht des Arztes erhebt. 

Development and psychometric properties of the Shared Decision Making Questionnaire--physician version (SDM-Q-Doc). Scholl I, Kriston L, Dirmaier J, Buchholz A, Härter M. Patient Educ Couns. 2012 Aug;88(2):284-90. doi: 10.1016/j.pec.2012.03.005. Epub 2012 Apr 3.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an Isabelle Scholl.

 

Der Autonomie-Präferenz-Index (API-Dm)

Die deutsche modifizierte Fassung des Autonomie-Präferenz-Index (API-Dm)Simon D, Kriston L und Härter M. (2011)  Klin. Diagnositk u. Evaluation, 4Jg., 5-14.

Zusammenfassung:

Der Autonomie-Präferenz-Index (API) wurde zur Messung von Patientenpräferenzen hinsichtlich Information und Beteiligung an medizinischen Entscheidungen entwickelt. Die englische Originalversion besteht aus 23 Items, die von 0 ("lehne stark ab") bis 4 ("stimme stark zu") bewertet werden können. Die Informationspräferenz wird anhand von acht Aussagen gemessen. Die Erhebung der Beteiligungspräferenz erfolgt durch insgesamt 15 Items. Davon messen sechs Items die allgemeine Beteiligungspräferenz und neun Fragen die Beteiligungspräferenz bei unterschiedlich schweren Erkrankungen (Fallvignetten). Die interne Konsistenz des API beträgt .82 für jede der beiden Subskalen. Die Test-Retest-Reliabilität liegt bei .84 für die Subskala zur Beteiligungspräferenz und .83 für die Subskala zur Informationspräferenz.

Eine deutsche Übersetzung des API ohne Fallvignetten wurde im BMG-Förderschwerpunkt "Der Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess" eingesetzt. Die Prüfung der Konstruktvalidität erfolgt mithiklfe einer Konfirmatorischen Faktorenanalyse an eienr indikationsübergreifenden Patientenstichprobe (n=1592). Auf der Basis der Fit-Indices wurden zwei Items zur Beteiligungspräferenz und ein Item zur Informationspräferenz entfernt. Die deutsche modifizierte Version (API-Dm) resultierte in verbesserten Fit-Indices. Aufgrund methodischer Einschränkungen der Validierungsstudie werden weitere psychometrische Tests des API-Dm empfohlen.

 

Preparation for Decision-Making Scale (PDMS-D)

Die Preparation for Decision-Making Scale in deutscher Sprache (PDMS-D) – Faktorielle und konkurrente Validität in einer Onlinestichprobe von Personen mit Kreuzschmerz oder Depression. Buchholz A, Simon D und Härter M (2011). Klinische Diagnostik und Evaluation 4 Jg. 31–45.

Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Prüfung der faktoriellen und konkurrenten Validität sowie der Reliabilität der Preparation for Decision Making Scale in deutscher Sprache (PDMS-D). In einer randomisierten, kontrollierten Studie zur Evaluation einer webbasierten Entscheidungshilfe bearbeiteten Studienteilnehmer mit Depression und/oder Kreuzschmerz direkt im Anschluss an die Entscheidungshilfe u. a. die PDMS-D. In die vorliegende Untersuchung konnten Daten von 572 Studienteilnehmern einbezogen werden. Konfirmatorische Faktorenanalysen ergaben eine zweidimensionale Faktorenstruktur. Weiterhin zeigten sich signifikante, geringe bis hohe Korrelationen zu konstruktnahen Variablen (Entscheidungskonflikt, Akzeptanz, Wissen) und geringe, nicht signifikante Korrelationen zu konstruktfernen bzw. Kontrollvariablen (Lebensqualität, Alter, Geschlecht). Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen Reliabilität und konkurrente Validität der deutsprachigen PDMS-D, die faktorielle Struktur deutet jedoch auf konzeptuelle Unterschiede zur englischsprachigen PDMS-D hin: Anstelle einer Dimension Entscheidungsvorbereitung finden sich die beiden Dimensionen Vorbereitung auf die Entscheidung und Vorbereitung auf das Arztgespräch. Die Anwendung der PDMS-D kann zur Evaluation von Entscheidungshilfen empfohlen werden.


ZAPA

Fragebogen zur Zufriedenheit in der ambulanten Versorgung – Schwerpunkt Patientenbeteiligung (ZAPA). Scholl I, Hölzel L, Härter M, Dierks ML, Bitzer EM, Kriston K.(2011). Klinische Diagnostik und Evaluation 4Jg. 50–62.

Zusammenfassung

Ziel dieser Studie war die Entwicklung und psychometrische Überprüfung eines Kurzfragebogens (vier Items) zur Messung der Patientenzufriedenheit in der ambulanten medizinischen Versorgung unter Berücksichtigung des Konzepts der Patientenbeteiligung. Hierzu wurden zwei Items eines bestehenden Instrumentes (Fragebogen zur Zufriedenheit in der ambulanten Versorgung – Qualität aus Patientenperspektive – ZAP) herangezogen sowie zwei neue Items generiert. Mit dem neuen Instrument (ZAPA) wurden Daten in einer Stichprobe von 2450 Patienten erhoben. Die Bestimmung der dimensionalen Struktur erfolgte mittels Faktorenanalyse. Zudem wurden Reliabilitätsmaße sowie deskriptive Itemparameter berechnet. Außerdem wurde die Konstruktvalidität überprüft. Der ZAPA weist eine eindimensionale Struktur auf. Eine hohe interne Konsistenz sowie hohe Trennschärfen deuten auf eine hohe Reliabilität des Fragebogens hin. Ausfüllquoten von über 94 % belegen eine gute Akzeptanz des Instrumentes. Weiterhin liegen Hinweise auf Konstruktvalidität vor. Insgesamt weist der ZAPA gute psychometrische Eigenschaften auf. Durch seine Kürze eignet er sich für den Einsatz in Studien zur Messung der Patientenzufriedenheit im ambulanten Versorgungssetting.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an Isabelle Scholl.

Weitere Messinstrumente

In unserer Arbeitsgruppe wurden in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Messinstrumente übersetzt/entwickelt und psychometrisch überprüft. Die Kurzbeschreibungen zu den jeweiligen Publikationen finden Sie in den folgenden Abschnitten.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail an Levente Kriston.

Four Habits Coding Scheme – deutsche Version

The German version of the Four Habits Coding Scheme – association between physicians' communication and shared decision making skills in the medical encounter. Scholl I, Nicolai J, Pahlke S, Kriston L, Krupat E, Härter M. (2014) Patient Education and Counseling, 94: 224-229.

Zusammenfassung:

Ziel: Ziel der Studie war es, ein Messinstrument zu Kommunikationsfertigkeiten von Ärzten – das Four Habits Coding Scheme (4HCS) - ins Deutsche zu übersetzen. Außerdem wurden seine psychometrischen Eigenschaften im Zusammenhang mit der OPTION-Skala überprüft, welche das Verhalten von Ärzten hinsichtlich partizipativer Entscheidungsfindung (PEF) untersucht.

Methodik: Es wurde eine sekundäre Datenanalyse von 67 Aufnahmen von Arzt-Patienten Konsultationen durchgeführt. Reliabilität, interne Konsistenz und faktorielle Validität des übersetzten 4HCS wurden analysiert. Der Zusammenhang mit der OPTION-Skala wurde mittels Korrelation und linearer Regression untersucht.

Ergebnisse: Das Überprüfen der Reliabilität ergab einen Intraklassen-Korrelationskoeffizienten über .70. Die Ergebnisse hinsichtlich interner Konsistenz und faktorieller Validität waren heterogen. Die Korrelationen zwischen der OPTION Skala und den vier Dimensionen des 4HCS waren .04 (p=.782), -.14 (p=.303), -.15 (p=.279) und .55 (p<.001). In einer multiplen Regression erklärten die vier Dimensionen des 4HCS einen wesentlichen Anteil der Varianz in der OPTION-Skala (R(2)=.42, P<.001).

Schlussfolgerung: Das Messinstrument zeigte eine gute Beobachter-Reliabilität, wobei weitere Überprüfungen notwendig sind. Durch die starke Wechselbeziehung der beiden Messinstrumente sollte PEF im Kontext weiterer Kommunikationsfähigkeiten betrachtet werden.

Implikationen für die Praxis: Das 4HCS kann für Forschung und medizinische Aus- und Weiterbildung genutzt werden. Weitere Studien, die PEF im Rahmen von Kommunikationsfähigkeiten untersuchen, werden benötigt.

  

Decisional Conflict Scale – deutsche Version (DCS-D)

Die Decisional Conflict Scale in deutscher Sprache (DCS-D) – Dimensionale Struktur in einer Stichprobe von Hausarztpatienten. Buchholz A, Hölzel L, Kriston L, Simon D, Härter M (2011). Klinische Diagnostik und Evaluation, 4: 15-30.

Zusammenfassung:

Die "Decisional Conflict Scale" (DCS) wurde als Instrument zur Operationalisierung der Qualität medizinischer Entscheidungen entwickelt und erfasst Unsicherheit darüber, welche Option bei einer medizinischen Entscheidung die richtige ist. Die DCS wurde bereits in zahlreichen Studien eingesetzt und in sechs Sprachen übersetzt, psychometrische Arbeiten zur Qualität des Instruments gibt es hingegen wenige. Für die deutsche Version liegen bisher keine publizierten Daten vor. Daher wurden die psychometrischen Eigenschaften einer deutschsprachigen Version der DCS geprüft. Es wurden Daten von 1286 Personen einbezogen, die an einer postalischen Befragung zur Bewertung der Qualität ihrer hausärztlichen Versorgung teilnahmen. In vergleichenden konfirmatorischen Faktorenanalysen zeigte sich, dass das von den Autoren der englischsprachigen Originalversion vorgeschlagene, fünfdimensionale Modell die beste Anpassungsgüte besitzt. Die interne Konsistenz für die fünf Subskalen war ebenfalls hoch. Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die faktorielle Validität und Reliabilität der deutschsprachigen DCS im hausärztlichen Setting. Der Fragebogen und Auswertungshinweise sind im Anhang abgedruckt.

REDAXO 5 rocks!